Nach dem Wellensittich ist der Kanarienvogel der beliebteste
Heimvogel, der nicht nur wegen seines schönen Gesangs,
sondern auch wegen seines hübschen Aussehens auch 500 Jahre
nach seiner Ersteinfuhr von den Kanarischen Inseln immer noch
zu Tausenden bei uns gehalten wird. Ausgehend von Klosterzuchten
auf dem spanischen Festland wurden vor über 300 Jahren
die Haltungsbemühungen dieser Girlitze aus der Finkengruppe
in Italien gefördert und verbessert. Vor mehr als 100 Jahren
kam in dem bekannten deutschen Mittelgebirge der berühmte
Harzer Roller dazu, der vielen Gesangskanarien die
züchterische Basis gab. Vor allem in England legte man
mehr Wert auf Gestaltskanarien und ab dem 17. Jahrhundert verbreitete
sich auch die Farbgefiederauslese. Inzwischen werden die Kanarienvögel
in vielen Farben und verschiedenen Rassen angeboten. Singen
können sie alle, also entscheiden Sie sich beim Kauf einfach
für den Vogel, der Ihnen am besten gefällt. Der Gesang
des Weibchens ist allerdings meist sehr bescheiden und eintönig,
während der Hahn richtige Strophen und ganz verschiedene
Tonfolgen von sich geben kann, also ein umfangreicheres Repertoire
hat.
Normalerweise singt Ihr Kanarienvogel fast das ganze Jahr über,
wenn auch nicht in gleicher Intensität. Gesangspausen legt
er während der Mauser ein, wenn er gesundheitliche Probleme
hat, wenn sein Standort wechselt oder auch nur, weil er zu dick
geworden ist. Im Gegensatz zum menschlichen Tenor lässt
seine Sangesfreude nämlich mit zunehmendem Gewicht nach.
Als Einzelvogel
sollten Sie den Kanarienvogel nur halten, wenn Sie genügend
Zeit haben, sich oft mit ihm zu beschäftigen. Der Kanarienvogel
fühlt sich in Gesellschaft von Artgenossen wohler, ob
das nun ein weiterer Kanarienvogel oder einige Prachtfinken
sind, ist völlig gleich. Übrigens singt der Kanarienhahn
auch in Gesellschaft anderer Vögel, ja sogar eines Weibchens,
nur nicht ganz so oft, denn der Sinn der Werbung entfällt
ja. Ihr Kanarienvogel ist normalerweise sehr friedlich und
kann sehr harmonisch auch mit kleineren Arten vergesellschaftet
werden. Eine harmlose Streiterei um einen bestimmten Sitzplatz
oder das Futter sieht meist gefährlicher aus als sie
ist. Nur wenn z.B. ein einzelnes Tier einer Gruppe offensichtlich
von den anderen unterdrückt und sogar am Fressen gehindert
wird, müssen Sie eingreifen und den unterlegenen Vogel
absondern.
Ein geräumiges
Heim sollte dem Kanarienvogel die Möglichkeit geben,
vielfach von Stange zu Stange zu hüpfen. Ein wirkliches
Fliegen ist nur in einer Zimmervoliere oder durch einen Freiflug
im Zimmer möglich. Die Sitzstangen sollen unterschiedlich
stark sein, vor allem so dick, dass die Zehen die Stange nicht
gänzlich umgreifen können. Öfters gewechselte
Naturzweige von ungespritzten Bäumen sind sehr empfehlenswert.
Ein Heimvogel
sollte die Möglichkeit zum Freiflug im Zimmer haben.
Vor dem ersten Freiflug sollten die Vorhänge der Fenster
geschlossen werden, da der Vogel die Glasscheiben nicht erkennen
und sich ernsthaft verletzen kann. Wenn Sie in den Folgetagen
den Vorhang langsam immer weiter öffnen, wird Ihr Kanarienvogel
die Größe des Raumes kennen gelernt haben und die
Glasscheiben als Begrenzung erkennen.
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